1854/55


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Im Jahre 1854 und 55 kamen in Aachen öfter Fälle von Cholera vor. In einem der beiden Jahre war Mutter in Aachen gewesen. In der nächsten Nacht erkrankte sie heftig an der bösen Krankheit. Ich erinnere nur, wie ich oder wir Kinder an der Türe zu ihrem Schlafzimmer standen und voll Angst auf ihr Bett sahen, um das viele standen, wohl Großmutter und Tante. - Gott sei Dank wurde Mutter erhalten. Sie hatte einen sehr starken gesunden Körper, und man hat sie nach den Krämpfen nicht einschlafen lassen. Aber nach dieser Zeit ist sie immer leidend gewesen. Ihr ganzer Organismus hatte durch die Krankheit gelitten, und ich erinnere nicht mehr, Mutter seitdem ganz gesund gesehen zu haben. Entweder im Jahr der Krankheit oder später reiste Mutter mit und drei Kindern nach Tölz in Oberbayern, wohl zu ihrer Erholung. Das Wasser in Tölz gilt jetzt als Spezifikum gegen Arterienverkalkung. Von der Reise ist mir nur noch in Erinnerung, dass wir von München aus dem großen Hotel mit einer vierspännigen Kutsche nach Tölz fuhren, wir Jungen wohl abwechselnd auf dem Bock beim Kutscher.

In Tölz fanden wir Quartier bei einem alten katholischen Geistlichen (Kurat), dessen Pfarrwohnung die Ecke eines großen Mönchsklosters bildete. Von den Fenstern hinten heraus sah man in den Hof des Klosters. Der alte Herr war ein Feind der Mönche, und er schalt oft auf sie, wenn sie mit erbettelten Schätzen an Lebensmitteln von ihren Bettelgängen heimkamen. Ihr gutes Leben war ihm ein Dorn im Auge. Er ging auch zu Biere und nahm uns Buben wohl mit und freute sich, wenn es ihm einmal gelungen war, uns einen Schwips beizubringen. Als wir ankamen, trugen wir schöne blaue Kittel und weiße Höschen, weiß und blau, die bayerischen. Da entstand die Mär, wir wären die Bayerischen Prinzen, die erwartet wurden. Bald folgte natürlich die Enttäuschung. - Mutters Arzt hatte viele Söhne, mit denen wir öfter zusammen waren. Einer, viel älter als wir, hieß Constantin. Er lehrte uns, das Sprechkunststück: Constantinopolitanischer Dudelsackpfeifenmachergeselle ganz rasch zu sagen. Wir haben uns oft noch später daran die Zunge zerbrochen.

Im Jahre 1855 war Mutter sehr lange in Wiesbaden zur Kur. Sie hatte Paul und Karoline, unser Mädchen, bei sich. Ob die Reise nach Tölz vor oder nach dieser Wiesbadener Reise, d.h. ob sie 1854 oder 1856 fällt, kann ich nicht mehr feststellen. (Nachtrag: Sie war im September 1856) 1856 war Mutter wieder lange in Wiesbaden. Vom 29. Oktober, 14. November und 3. Dezember finde ich Briefe von mir an Mutter. Das macht es wahrscheinlich, dass Mutter schon 1854 die Cholera hatte und dann mit uns in Tölz war. Andererseits ist es mir, als sei ich bei der Reise schon älter als 4 3/4 Jahre gewesen.

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© Dr. Andreas Furbach,

Letzte Änderung 17.04.04