1861


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Im Februar 1861 war Mutter in Waals bei Aachen bei der Tante Binterim zu Besuch, den Eltern ihrer Freundin, Frau Pastor Newiandt. An einem Sonntag machten wir mit dem cand. Zander auch den Weg von Aachen nach Vaals. Das Haus und die liebenswürdigen Menschen sind mir noch deutlich vor Augen. Es war das einzige Mal, dass ich holländischen Boden betreten habe. Leider haben sich meine Wünsche, wieder einmal eine Reise nach Holland und Belgien zu machen, nicht verwirklicht.

Um Ostern 1861 siedelten wir dann nach Gütersloh über. Vorher fand in Eupen eine große Auktion statt. Mutter hatte nach Vaters Tode bei ihrer Übersiedlung nach Eupen einen Teil ihrer Möbel in einer Dachkammer des benachbarten Hotels Reinarz untergebracht. Dort standen auch eine große Anzahl Kisten mit Büchern von Vater. Als sie nun nach Gütersloh zog, wurden überflüssige Sachen aus dem großelterlichen Haushalt und auch Sachen aus Mutters Haushalt auf dem Hofe versteigert. Zuletzt wurden unser Bock, der Wagen und der Schlitten auf den Auktionstisch gehoben und losgeschlagen. Was dafür gezahlt wurde und was wir Jungen mit dem Erlös, der uns zufiel, gemacht haben, habe ich vergessen. Aus dem Erlös der Auktion kaufte Mutter damals die roten Plüsch-Mahagonimöbel, Sofa und Stühle und das kleine Buffet für unsere Wohnstube in Gütersloh.

Ehe wir Eupen verlassen, will ich noch einiges über die Lage des Ortes sagen in Ergänzung zu früher. Eupen liegt auf dem Ausläufer des Hohen Venns, südlich der Station Herbestal an der Bahn Köln-Aachen-Verviers-Brüssel. Wie überall an der Bahn von Aachen nach Lüttich wird dort vorwiegend Weidewirtschaft betrieben. So ist auch Eupen von allen Seiten von Weiden umgeben, die durch natürliche Hecken eingeteilt sind und vom ersten Frühling bis spät in den Herbst von den Kühen abgeweidet werden. Die Stadt hat einen oberen und einen unteren Teil, der untere im Tale der Weege oder Wesder gelegen, die vom Venn nach Belgien fließt, ein breites Flussbett, das den größten Teil des Jahres wenig Wasser führt, sodass die Wasserkraft für die im Tale liegenden Fabriken nicht sehr großen Wert hat. Dort lag die Fabrik des Großvaters, daneben früher eine große Wiese, die von der ganzen Stadt als Bleichplatz benutzt wurde, weil das Wasser daran vorbeifließt. Später hat Onkel Bernhard sich ein neues Wohnhaus in das Grundstück hineingebaut und die Wiese zum Park umgewandelt. Dieser Stadtteil hieß "unter der Haas". Von dort geht die Chaussee nach Montjoie und Malmedy und flussabwärts durch die "Öe" nach Dolhain und Verviers. In einem Seitental des Wesdertales liegt die Gilegssperre, der erste größere Staudamm mit Staubecken, der für die industriellen Werke Verviers, die aus Wassermangel einzugehen drohten, angelegt wurde. Von der "Haas" ging ein Weg über den "Berg" in den oberen Stadtteil, oben eine kleine Kirche, "die Kapelle", malerisch gelegen. Der Weg ist wegen der Steilheit kaum befahrbar. Deshalb hat man um den Berg herum den "Neuen Weg" angelegt, die Fahrstraße für die Verbindung der beiden Stadtteile - jetzt ganz bebaut. Der Mittelpunkt des oberen Stadtteils ist der Markt, an dem die schmucklose große Pfarrkirche liegt. Von dort führen die Klosterstraße zur Aachener Chaussee und zum Friedhof und die Casinostraße zum Bahnhof. Einige interessante Straßennamen: Auf der Klötzerbahn - Im Wirth - Der Kapernberg - Auf dem Hoog u.a. Ob sie wohl heute Kaiser- und Prinzenstraße o.ä. heißen?

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© Dr. Andreas Furbach,

Letzte Änderung 17.04.04