Anmerkungen


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In der Tat war (vermutlich) der Sohn von Hugo, also der Enkel des hier genannten Missionars der Eingeborenenkommissar für Ovamboland 1920 - 1946 (zusammen mit Major Charles Manning?), zu dieser Zeit hatte Deutschland nach dem I Weltkrieg die Kolonien längst abgegeben. Dieser Enkel, Carl Hugo Linsingen (Cocky) Hahn, genannt Shongola (die Peitsche) war außerdem ein recht bekannter Photograph, einige Photos von ihm findet man auch im Internet.

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Kaoko 1943, fotografiert von CHL Hahn

Auch hier hat der Sohn von Traugott Hahn eine eher traurige Berühmtheit erlangt. Er wurde am 1. Februar 1875 in Livland geboren. In der um 1230 von deutschen Kaufleuten gegründeten späteren Hansestadt Reval hatte die Reformation schon ab 1523 Fuß gefasst. Evangelische Hauptkirche der Stadt ist bis heute die St. Olaikirche, deren anfangs 159 Meter hoher Turm (nach einem Blitzeinschlag ist jetzt "nur" noch 124 Meter hoch) bis zur Fertigstellung des Ulmer Münsters der höchste evangelische Kirchturm der Welt war. An dieser Kirche trat Traugott Hahn (1875-- 1919) im Krisenjahr 1917 die Nachfolge seines Vaters an, der dort 31 Jahre tätig gewesen war. Zuvor war Hahn Theologiedozent an der bedeutenden Landesuniversität Dorpat gewesen. Hatte schon die gewaltsame Russifizierung in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg erhebliche Nachteile für die evangelischen Deutschbalten gebracht, so verschärfte sich ihre Lage nach der Oktoberrevolution 1917 noch mehr. Zwar konnte im Februar 1918 die Unabhängigkeit des freien Estlands proklamiert werden, nach dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreichs errichteten aber die Bolschewisten gegen Jahresende wieder ihre Schreckensherrschaft. In dieser Situation entschied sich Hahn, seine Gemeinde nicht zu verlassen, sondern als "guter Hirte" bei ihr auszuharren. Am Sonntag nach Weihnachten 1918 hielt er seinen letzten Gottesdienst in der St. Olai-Kirche, am 3. Januar 1919 wurde er verhaftet und mit zahlreichen anderen Gefangenenen, unter ihnen der Priester Beschanitzki und der orthodoxe Bischof Platon, in einem engen Raum eingepfercht. Elf Tage später -- unmittelbar, bevor deutsche Selbstschutzverbände (baltische Landwehr) die Stadt befreiten, wurden die beiden Priester und Hahn als erste erschossen. Über 300 Gefangene konnten von den einrückenden Truppen befreit werden. Seine Witwe überlebte ihn um 55 Jahre, der Sohn Wilhelm war nach dem Zweiten Weltkrieg Kultusminister in Baden-Württemberg. Sein Vater Traugott Hahn, von dem der Autor hier berichtet, lebte noch bis 1939.


Ob F.W.B. Höhndorf ahnte, wie viele Schulen, Straßen etc. heute nach Th. Fliedner benannt sind, zumindest im Ruhrgebiet?


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© Dr. Andreas Furbach,

Letzte Änderung 17.04.04