1896


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Das Jahr 1896 brachte unserem Haus mancherlei Leid und viel Trennung. Ich folge dem Lauf des Jahres.

Gleich nach Neujahr war zum ersten Mal Schulrat Mühlmann aus Merseburg bei uns, die Schulen zu besuchen. Ich kannte ihn von Berlin her aus der Verbrüderung, im Wingolf eine sehr bekannte Persönlichkeit, war lange an der Deutschen Schule in Konstantinopel gewesen, ein interessanter Mensch, jetzt lebt er in Wilhelmshöhe - pensioniert. Mir war es damals für meine Tätigkeit als Kreisschulinspektor sehr angenehm, einen Schulrat zu haben, den ich näher kannte und durch den ich leichter etwas in Schulsachen erreichen konnte, persönliche Beziehungen tun überall sehr viel.

Da die liebe Mutter Wiebel sehr leidend war, reiste meine Frau am 17. Januar zu ihr, nahm Klein-Meta mit, die sie in Münster bei Belows ließ. Die liebe Mutter fand sie sehr verändert, sie litt an Wassersucht, hatte arge Beklemmungen und Qual, freute sich aber sehr, ihre Älteste noch einmal ruhig bei sich zu haben. Da auch Hanni Calvino und Clara, Hermanns Frau, dort waren, wohnte meine Frau zunächst bei ihrem Bruder Fritz, der inzwischen sein neues Heim in der Meckelstraße bezogen hatte. Als aber Clara, die selbst leidend war, abgereist war, siedelte sie ins Elternhaus über und konnte so noch mehr mit Mutter und Schwester zusammen sein. Leider war an Heilung nicht mehr zu denken, und die Kranke selbst sehnte sich nach einem seligen Heimgang. Als auch ihr Jüngster, Siegfried, noch einmal zu ihr kam, feierten sie im Familienkreis noch einmal das Hl. Abendmahl zusammen, und Mutter Meta kehrte am 1. Februar mit Klein-Meta zu uns zurück. Der 2. 2. sonst so fröhlich, diesmal ein wehmütiger Geburtstag.

Inzwischen hatten Pastor Hermanns Wallhausen verlassen und siedelten nach Altenwedingen über, wo er heute noch amtiert. Für uns bedeutete ihre Versetzung einen Verlust, unser "Kränzchen" war dadurch gesprengt in seinem alten Bestand. Am 10. Mai führte ich Hermanns Nachfolger, Pastor Trippenbach, ein, so ruhig Hermann gewesen, so unruhig war Trippenbach - Hermann für die theologische Wissenschaft, Trippenbach für die Kunst - Fotografie, adlige Genealogie und damit für historische Forschungen. Und so lebhaft und sprudelnd Frau Pastor Hermann gewesen, so ruhig und besonnen war Frau Pastor Trippenbach, jede für ihren Mann die rechte Frau. Uns haben auch Trippenbachs allzeit gute Freundschaft gehalten. Für die Gemeinde war Trippenbachs Tätigkeit wohl ohne große Wirkung.

Am 3. Februar hielt ich in Eisleben einen Vortrag über Charles Kingsley. Kingsley hat mich damals viel beschäftigt und in seinen sozialen Gedanken vielfach angeregt. Ich las mit großem Interesse sein Leben und seine Schriften, theologisch ist er mir fremd geblieben.

Während Meta Abwesenheit gab ich den Vorsitz im evangel. Arbeiterverein auf. Es war mir zuletzt eine unfruchtbar erscheinende Arbeit. Ich vermochte nicht, Leben hineinzubringen. Das lag aber zumeist an den bereits früher angegebenen Gründen. Man versuchte es, dem Verein einen nicht pastoralen Vorsitzenden zu geben in dem eifrigen Vorstandsmitglied Kupferschmiedemeister Herzberg, dem Br. Joedicke zu helfen versprach. Aber leider war auch dieser Versuch erfolglos. Ich war aber froh, der Verantwortung und Last enthoben zu sein. Bei der Feier von Kaisers Geburtstag wirkte Lili mit bei einer kleinen Aufführung in der Schulfeier - der Blumen Huldigung, an die ich und sie gerne denken. Aber die Festrede des neuen Dir. Dannehl im Gymnasium veranlasste mich zu der Äußerung in einem Briefe: sie sei schauderhaft gewesen, "am liebsten nähme ich meine Jungen von solcher Schule." Hätte ich's doch gekonnt! Wieviel Not und Ärger wären mir erspart geblieben. Am 19. März machte Fritz sein Abiturientenexamen, am 23. 3. Erich sein Einjähriges. Am Abend des 19. März, als Fritzens Freunde und Konabiturienten bei uns waren, erkrankte Mutter. Gottseidank erholte sie sich so bald, dass sie am 29. März Lilis Konfirmation mit uns feiern konnte. Auch Lilis Pate, Aug. Schmitz aus Hanau, wohnte der Feier bei. So war schon das dritte der Kinder bis zu diesem Abschluss gekommen, und für alle drei kam bald der Abschied aus dem Elternhaus.

Am 30. oder 31. März rief der Zustand der lieben Mutter in Elberfeld Meta wieder dorthin. Sie fand die Mutter sehr verfallen, ihr Zustand war qualvoll, das Wasser im ganzen Körper so gestiegen, dass keine Bewegung ihr möglich war. So konnte jeder für sie nur baldige Erlösung erbitten. Sie hoffte, Ostern zu scheiden, aber noch früher, am Sonnabend dem 4. April zwischen Karfreitag und Ostern wurde sie durch einen sanften Tod von aller Erdenqual befreit. Für alle, die mit ihr gelitten, war zunächst das Gefühl des Dankes überwiegend über den Schmerz über den unersetzlichen Verlust. Ich erhielt gleich die Nachricht, musste am 1. Ostertag noch predigen, reiste dann in der Nacht vom 1. zum 2. Ostertag nach Elberfeld, um der teuren Entschlafenen das letzte Geleit zu geben und auf dem reform. Kirchhof mit Gotteswort und Gebet ihr Grab und Grabesruhe zu weihen.

Am 7. April verließen die beiden ältesten Söhne das Elternhaus, ohne dass die Eltern anwesend waren. Fritz hatte lange geschwankt in Bezug auf den künftigen Beruf. Im Jahre 1895 hatte ich im Briefkränzchen geschrieben: "Mein Ältester macht Ostern 96 sein Examen. Er scheint sich mehr und mehr in dem Gedanken zu befestigen, Baumeister zu werden - kann ja freilich auch noch anders werden. Schwierigkeiten hat's eben heutzutage überall, und mehr wie sonst ist's Not, dass einer mit ganzer Seele wird, was er wird. Ich werde ja noch bei meinen 6 Jungen oft vor die Frage gestellt werden: was werden? Ich mache mir aber vorläufig keine Sorge .. Ich möchte ja sehr gerne, dass einer oder mehrere Theologen würden, aber in unserer Zeit würde ich am wenigsten dazu drängen. In unseren kirchlichen Verhältnissen und in 10 Jahren wahrscheinlich noch mehr ist der ein armer Kerl, der Pastor sein muss, weil er's geworden ist, ohne es mit ganzem Herzen zu sein."
Mein Wunsch ist leider nicht in Erfüllung gegangen, und auch bei Fritz würde ich heute wünschen, er wäre Baumeister geworden, gut, dass ich ihn in keiner Weise zur Theologie gedrängt habe. Er hatte sich dafür entschieden, weil der Beruf des Baumeisters seinen künstlerischen Neigungen nicht Raum zu geben versprach, und wohl auch aus Liebe zu mir, aber gewiss nicht ohne innere Teilnahme an allen religiösen Fragen, die ihn schon lange innerlich beschäftigten. Wäre er damals nicht schon von allerlei Zweifeln geplagt worden, so wäre er wohl mit noch größerer Freudigkeit an das theologische Studium herangegangen.
Er ging nach Greifswald, wo bald Oettli und Lutgert und die Predigten von Crämer ihn innerlich anfassten. In der Verbindung des Wingolf, der über 100 Mitglieder damals zählte, fand er gute Freunde, ohne dass er je ein forscher Verbindungsstudent gewesen wäre.

Erich hatte keine Freude mehr am Studium und wollte Kaufmann werden, wie der Erfolg gezeigt hat, dir rechte Wahl. Er kam zu Herm. Henke in Bremen in die Lehre, was uns zu der Wahl dieses Hauses geführt hat, weiß ich nicht mehr. Frau Henke war mit Mutter verwandt, und Erich hat in dem Hause Liebe und Fürsorge erfahren, wenn auch seine kaufmännische Ausbildung nicht allen Wünschen entsprach. Manchmal ist es auch gut zu sehen, wie man es nicht machen soll. Er hat auch durch den Verkehr bei den Tanten Voget und in dem Stoevesandtschen Hause viel in den drei Jahren seiner Bremer Lehrzeit gehabt.

Am 3. Juni wanderte ich frühmorgens zur Schulvisitation nach Horla und Rotha in Begleitung von Lili und Hete Fulda und dann nachmittags hinunter nach Questenberg durch den Wald und über Bennungen heim. Das war ein herrlicher Tag mit frischen frohen Mädels, die sich mit mir an Wald und Flur freuten, Lili wird dieser Tag in gleich guter Erinnerung sein wie mir.

Am 9. Juni fand wie alljährlich das Trilleressen statt. Die Trillerstiftung, an deren Verwaltung ich die 20 Jahre in Sangerhausen beteiligt war, hat mir oft viel Arbeit und Schreibwerk gebracht. Die Stiftung der 12 Freistellen in Leipzig war seinerzeit vom Stifter sehr gut gemeint, hat aber neben manchem Segen auch manchen Schaden gebracht, indem sie nicht wenige Sangerhäuser und Saalfelder Schulkinder zum Studium verleitete, die besser unstudiert geblieben wären. Für die Welt wär's Nutzen gewesen. Nun ist ja, nachdem der langjährige Prozess gegen die Universität Leipzig verloren worden ist und die freien Wohnungen der 12 Studenten entzogen worden sind, die Anziehungskraft der übriggebliebenen Freitische wohl geringer geworden.

Liebenswürdig war es von dem Stifter, dass er die Verwaltungsleute seiner Stiftung mit einem "honestum convidicum" bedacht hatte, das seit langem der Superintendent mit dem aufsichtsführenden Amtsrichter (dem Amtsschösser) und dem Magistrat abhielt, meist die Unterhaltung nicht besonders fruchtbar, sehr nett aber oft hinterher eine Wagenfahrt in die Berge, zu der Herr Homung und Herr Bosse die Wagen zur Verfügung stellten.
Bald danach, am 18. Juni wurde das Kyffhäuser Denkmal eingeweiht. Dazu kamen Abordnungen der Kriegervereine aus ganz Deutschland, viel Fürstlichkeiten und der Kaiser selbst mit großem Gefolge. Auch wir hatten Einquartierung von einigen Kriegervereinsmitgliedern, die der armen Hausfrau bei frühem Ausrücken und spätem Wiedereinrücken ins Quartier mancherlei Ungelegenheiten verschafften. Ich aber habe leider von alledem nichts miterlebt, denn ich lag in den Tagen krank zu Bett.

Bald darauf kam Stöcker zum jährlichen Missionsfest am Riestedter Walde (28. 6.) und am Tage darauf zu einer großen Versammlung auf dem Kyffhäuser, bei der Stöcker eine große patriotische Rede hielt. Da kam ich auch hinauf und sah zum ersten Mal das gewaltige Denkmal.

Nachdem dann noch das Provinzial-Missionsfest, das neue Arbeit und neue Gäste (u.a. Kons. Rat Werner aus Dessau) brachte, überstanden war, kamen bald Ferien für die Kinder und Urlaub für die Eltern. Hans, Martha, Bernhard und Willi reisten wieder zu Tante Bertha nach Treffurt, wir aber fuhren (wohl am 11. 7.) mit Lili nach Schönhausen bei Stendal, wo sie für ein Jahr bei Pastor Schrader bleiben sollte. 

Pastor Schrader war der Bruder des verstorbenen Pastor Schrader in Oberröblingen und des Staatsanwalts Schrader in Sangerhausen. Sie hatten lange Jahre Pensionärinnen im Hause gehabt, die gerne dort waren und viel gelernt hatten. Das mag uns wohl bei der Wahl des Hauses geleitet haben. Waren Schraders auch damals schon alt und manches nicht nach Lilis Wunsch, so hat sie doch von dem Jahr den Segen gehabt, dass sie gelernt, sich in andere Verhältnisse und Menschen zu schicken - vielleicht auch noch mehr.

Nach kurzer Rast fuhren wir Eltern dann weiter nach Bremen und von da über Emden nach Borkum. Schon auf dem Dampfschiff klagte Mutter über Schmerzen in der Seite, als wir endlich an Land waren, war ihr so elend, dass sie nur ein Verlangen hatte: in Ruhe - ins Bett. Bei de Haans fanden wir kein freies Quartier, so mieteten wir in der Nähe das erste beste Zimmer (Damenpfad ...bei Slevogt). In der Nacht trat schon heftiges Fieber ein, ich war in Todesangst, da ich nach früheren Berichten vor beiden Ärzten ein Grauen hatte. Ich eilte früh zu Pastor Sluyter, um mit ihm zu beraten, welcher von beiden das kleinere Übel sei, da sah ich im Vorbeigehen das Schild eines Dr. Popinga - ein neuer! Ich erfuhr, dass es ein ganz junger Arzt, der eben sein Examen gemacht und im Sommer sich etwas verdienen wollte, um sich weiter ausbilden zu können. Er wurde gelobt. So entschloss ich mich, den zu rufen. Er stellte bald eine Blinddarmentzündung fest. So musste Mutter ganz still liegen. An eine Operation war dort in Borkum nicht zu denken, damals wurde diese Operation auch nur erst sehr selten gemacht. Als das Fieber stieg und der junge Doktor ein bedenkliches Gesicht machte, suchte ich in der Kurliste nach Ärzten und fand da einen Dr. Kottmeyer aus Bremen. Nachdem ich mich bei dem mir bekannten Dr. Stoevesandt erkundigt und erfahren hatte, dass er sehr tüchtig sei, bat ich ihn nach Verabredung mit Dr. Popinga zu einer Konsultation. Zu meiner Freude billigte er die Behandlung des jungen Kollegen und beruhigte mich über den Verlauf der Krankheit. Endlich wich auch die Entzündung, aber nun zeigte sich eine Venenentzündung in einem Bein, die neues Stilliegen und neue Geduld erforderte. So hat Mutter 4 Wochen dort in der engen Krankenstube im Bett zugebracht, böse Zeit für uns beide, böse Stunden, wenn ich mit meiner Angst um die geliebte Frau so hilflos an ihrem Bette saß. Wir haben damals aber auch viel Freundlichkeit und Teilnahme erfahren, so von Frau Joh. Volkmann aus Bremen (einer Cousine von Lahusen) und von P. Voget aus Emden, der eine Zeitlang dort war, am meisten von Tante Minna, die als helfender Engel kam, als ich endlich meines Amtes und der Kinder wegen nach Hause musste. So konnte ich die Genesende am 13. August in Tante Minnas Pflege getrost zurücklassen, ich blieb kurz in Bremen, um Erich zu sehen, ein paar Stunden in Hannover bei Schwager Hermann und seiner Frau und war dann froh, wieder bei den so lange mit Frl. Hempel allein gelassenen Kindern zu sein. Nach einigen Tagen kam auch Fritz von Greifwald, an dem ich, wenn meine Arbeit mich freiließ, willkommenen Gefährten hatte.

Die erste Bitte der Kinder war die, dass wir morgens wieder zusammen singen sollten. Sie haben wohl unbewusst gespürt, welche Kraft und Freude unsere schönen Choräle uns bieten. Das gemeinsame Singen bei der Morgenandacht ist mir immer gleich wert gewesen, wie das gemeinsame Lesen des Gotteswortes und das gemeinsame Gebet. In den wenigstens Häusern weiß man - leider - davon.

Am 18. August konnte Mutter zum ersten Mal wieder die Treppe herunter, dann kam sie allmählich bis an den Strand, am 22. August konnte sie abreisen, und nach mehrfachem Ausruhen in Bremen und Hannover kam sie endlich am 25. August wieder bei uns an, noch sehr elend, wenig leistungsfähig. Aber wie dankbar waren wir alle, dass sie uns gnädig erhalten war und wieder unter uns sein konnte. Da sie sich in Sangerhausen schwer erholen konnte, da das Treppensteigen ihr schädlich war und sie so nicht an die Luft kam, entschlossen wir uns schweren Herzens zu neuer Trennung - sie reiste am 20. September mit Meta-Kind (zum Trost für ihre neue Verbannung) nach Völkershausen zu Schuchardts und nach 2 Tagen nach Treffurt zu Frau Niemann, wo sie bis zum 6. Oktober blieb. Sie war durch herrliches Herbstwetter begünstigt, konnte viel im Freien sein und erholte sich zusehends, bekam bald das Gefühl zunehmender Kraft und Frische. Dazu war der Aufenthalt ihr zu besonderer Freude, da ihr überall leuchtende Augen und fröhliche Gesichter begegneten, die es bezeugten und auch aussprachen, wie sie an uns hingen und sich freuten, ihre Frau Pfarrer wiederzusehen. Und auch bei den Freunden in Völkershausen und Treffurt hatte sie immer wieder Beweise treuer Freundschaft und Verehrung. Auf der Pfarre bei Pastor Mertens, bei Superintendent Georgi, der sich in Treffurt zur Ruhe gesetzt hatte, bei Frau Oberstleutnant Gross und Bischoffs hatte sie angenehmen Verkehr. Auch nach Großburschla und Rambach konnte sie fahren, fand dort ganz unvermutet ein neues Patenkind von mir. Unser altes gutes Lieschen hatte am 12. Juli einen kleinen Jungen bekommen. Das das Kind sehr elend war, ließen sie es am zweiten oder dritten Tag taufen und mich als Paten eintragen, da nicht Zeit gewesen, erst meine Zustimmung einzuholen. Nun erteilte ich gerne Indemnität, habe aber bis heute leider mein Patenkind nicht kennengelernt. Er steht jetzt in Frankreich, und wir haben zeitweise regen brieflichen und Paketchen-Verkehr gehabt. Hoffentlich bleibt dieser einzige eigene Sohn, der Georg Dietzel, dem Lieschen erhalten!

Ich hatte inzwischen Fritz' Gesellschaft, der, wenn er nicht auf kleinen Touren abwesend war, mit mir Hebräisch arbeitete, für die Kirche ein Antependium zeichnete und oft mich auf meinen Gängen begleitete.

Wie vorher gesagt, zogen sich durch das ganze Jahr die Verhandlungen gegen Diakon Koetzschke hin. Die Stimmung gegen ihn wurde in Sangerhausen, bei den Besitzenden wenigstens, immer feindlicher, sein Verhältnis zu Pastor Voigt geradezu zum Skandal. D.h. den Skandal macht Pastor Voigt, der in seiner groben Weise seinem Hasse gegen seinen Amtsbruder freien Lauf ließ. Hier spukt wieder eine tolle Sache zwischen Voigt und Koetzschke in der Zeitung. Voigt hat ein Dinissorial verweigert, wozu er nicht berechtigt war, darüber wird nun die ganze Stadt beunruhigt. Hoffentlich bröckelt wieder ein Stein aus dem Fundament, worauf Voigt steht. Wenn dieser Turm fällt, wird vieles hoffentlich besser !! So ist es Gottseidank gekommen, als endlich durch Br. Ehrke und Kaiser und Mittschalk neues Leben in die Gemeinden kam. Pastor Voigt war jedenfalls weniger wert als Koetzschke, dort nur Amtsbewusstsein ohne jede Leistung und Verständnis für geistliche Dinge, hier wenigstens guter Wille und Opferwilligkeit. Für mich waren diese Verhältnisse oft recht schwer zu tragen, umso schwerer, da ich nichts daran ändern konnte. Anfang Oktober erhielt ich vom Konsistorium den Auftrag, die restaurierte Kirche in Großleinungen zu weihen, so habe ich am 4. 10. dort die Weihe vollzogen in Vertretung des Generalsuperintendenten.

Auch dies Jahr brachte uns viel lieben Besuch. Außer bereits erwähnten: kurz vor Mutters Tod Siegfried mit seiner Braut, Ende Juni Herr und Frau Pastor Schuchardt, im Oktober Fritz' Freunde Bruno Hoffmann, Kluge und Booth, im November Frau Niemann und Aug. Schmitz, und Weihnachten bis 4. 1. die lieben Tanten aus Bremen, gleichzeitig auch Otto Lauterburg, der seitdem uns eng befreundet blieb. Im März kam er wieder, erkrankte bei uns und fand bei Mutter mütterliche Pflege (vom 12. - 31. März 1897). Diese Zeit hat wohl das Band so fest um uns geschlungen.

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© Dr. Andreas Furbach,

Letzte Änderung 17.04.04