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Chiffrierte Nachrichten Teil V

Etwas an dieser Situation irritierte mich. Es irritierte mich gewaltig.
Meine Schnurrbarthaare zuckten und meine Gehirnwindungen knarrten und ächzten. Dann hatte ich es!
Luby Önsket wirkte nicht ertappt. Er sah nicht besonders reumütig aus, oder schuldbewußt.
Vielmehr musterte er uns mit einem Blick, den ich bislang bei ihm nie wahrgenommen hatte.
Er sah uns an als ob.... also irgendwie... er sah uns deutlich mit einem Blick an, als halte er uns mindestens für grenzdebil.
Das paßte nun so gar nicht zu dem Bild des ertappten Doppelagenten. Und richtig, als er sprach, merkte man, daß er uns nicht nur so ansah, sondern daß er uns klar auch für grenzdebil hielt.

"Nun, meine Lieben", begann er, "dann ist es wohl an der Zeit, Euch aufzuklären, was hier gespielt wird."
Gespannt reckten sich meine Schnurrbarthaare in die Höhe und im Augenwinkel sah ich, daß auch WiFabias Ohren zuckten. Befriedigt registrierte ich, daß auch unsere Super-Schnüfflerin verunsichert war.

Noch ein kurzes Räuspern und Luby legte los und erzählte uns endlich die ganze Geschichte.
"Nun, was sagt Euch NLX -1?" fing er an, und ich sah meine Chance, endlich wieder die Rolle des coolen Schnüfflers geben zu können.
"NLX-1 ist ein hochwirksamens Nervengift...." fing ich an zu dozieren. Da unterbrach mich Luby schon wieder. "Ja, ja, schon klar. Und angesichts der Tatsache, daß diese Oberschnüfflerin mir an dem präparierten Maiskolben aufgelauert hatte, gehe ich mal davon aus, daß Ihr Super-Sherlocks auch schon den Zusammenhang zu den Maiskolben herstellen konntet."
WiFabia und ich nickten stumm wie zwei Erstklässler, die das 1x1 nicht richtig aufsagen konnten und nun hofften, daß dies nicht weiter auffiel.

Es fiel wohl doch auf, denn Luby schenkte uns nochmals einen herablassenden Blick, bevor er weiter sprach.
"Nun, wir hatten dieses Wissen schon vor Monaten. Wir wußten, daß wir in der Zentrale einen Maulwurf hatten. Wir wußten, daß es um die Formel des NLX - 1 ging und seit einigen Wochen wußten wir auch, auf welchem Wege die Formel aus dem Haus geschafft wurde."

In mir drängte sich der unangenehme Gedanke hoch, daß ich das alles nicht gewußt hatte. Der Gedanke an einen schönen langen Erholungsurlaub an der Playa Hamsta nahm Gestalt an. Bevor ich in die konkrete Urlaubsplanung einsteigen konnte, fesselte mich jedoch Lubys Bericht wieder.

"Wir hatten nun ein großes Problem. Wir wußten, dass die einzelnen Abschnitte der Formel chiffriert wurden. Wir wußten, daß diese chiffrierten Fragmente in einzelnen Körnern Mais versteckt wurden. Diese Körner wurden alsdann selbst noch mit NLX präpariert. Für den Fall, daß sich doch jemand an den präparierten Körnern vergriff.
Was jedoch recht unwahrscheinlich war, denn diese Körner wurden mittels der unansehnlichsten Maiskolben übermittelt, die die hiesigen Futterbars zu bieten hatten.
Und es passierte ja auch tatsächlich nichts, bis sich unsere bemitleidenswerten Mitarbeiter nach der Try & Error Methode durch die Maiskolbenangebote der Stadt probieren mußten.
Nun ja, seitdem wissen wir wenigstens, in welchen Bereichen die feindlichen Agenten agieren. Und wir konnten sogar den Chiffriercode knacken.
Damit war es uns möglich, unsererseits die Maiskolben mit falschen chiffrierten Maiskörnern zu präparieren.
Das brachte uns wenigstens den Vorteil, daß die Formel längerfristig nicht von der Gegenseite zu gebrauchen war. Die mußte ja nun erstmal herausfinden, was wirklich zur Formel gehörte und was von uns hinzugefügt worden war."

Er grinste so zufrieden, daß sich seine Barthaare kräuselten.
"Außerdem hofften wir so, die Gegner aus der Reserve zu locken. Sie mußten nun schnell reagieren, sonst hätten sie am Ende ein wunderschönes nichtssagendes Formelpuzzle. Also standen sie unter Druck, sich neue Übermittlungswege ausdenken zu müssen. Und wer unter Druck steht, macht Fehler; wird unvorsichtig.
Ich gebe zu, ich weiß nicht, ob uns Kommissar Zufall gnädig war oder ob es das Glück des Tüchtigen war, jedenfalls hatte ich das Glück, auf Miss Honeypenny aufmerksam zu werden. Irgendetwas sagte mir, daß ich sie einmal genauer unter die Lupe nehmen sollte. Als Chefsekretärin hat sie Zugang zu den brisantesten Unterlagen. Alles wandert über ihren Tisch. Sie ist die engste Vertraute des Chefs.
Ich schlich also in die Personalabteilung und schaute in ihre Akte. Was ich dort fand, bestätigte mich.
Sie hatte Chemie studiert. Sie hat zwar nie ihren Abschluß gemacht und wahrscheinlich war das deshalb nie aufgefallen. Aber nach Einsicht in ihre Personalakte wußte ich, daß sie das nötige Fachwissen und die Gelegenheit hatte, die Formel sinnvoll zu fragmentieren und aus dem Haus zu schaffen.
Ich hatte also eine Verdächtige. Was mir fehlte, war ein Beweis.

Aber wieder war mir Kommissar Zufall hold.

Luby beobachtet
 Als ich gestern Abend durch die Straßen Boliniens schlenderte, konnte ich folgende Szene beobachten.









Ich sah, wie ein schwarzer Artgenosse sich an einem Müslibuffet versuchte.




Und kurz darauf dann die altbekannte Szene. Der nichtsahnende Artgenosse klappte zusammen.
Der hat sich für längere Zeit von seiner Erinnerung verabschiedet.

Und zu meinem gar nicht allzu großen Erstaunen, erschien in diesem Augenblick auch Miss Honeypenny auf der Bildfläche.
















Ohne sich um den Bewußtlosen zu kümmern, machte sie sich am Müsliriegel zu schaffen.
Eindeutig konnte ich sehen, wie sie einige Weizenkeime aus ihren Backen holte und geschickt und unauffällig in einigen Zwischenräumen platzierte.










Nun war mein großer Augenblick gekommen. Ich trat aus dem Schatten hervor und die inflagranti Ertappte war so überrascht, daß sie sich ohne Gegenwehr verhaften ließ."




Nach dieser Schilderung herrschte Schweigen. Diese Informationen mußten erst einmal verdaut werden. In meinem Magen machte sich ein flaues Gefühl breit und in meinem Kopf formierte sich die Gewißheit, daß ich erstmal einen langen Urlaub benötigen würde. Meine Schnurrbarthaare hatten mich komplett im Stich gelassen. Die hübsche Miss Honeypenny hatte ich niemals in Verdacht gehabt. Nun gut, ehrlich gesagt hatte ich gar keine Zeit gehabt, irgend jemanden zu verdächtigen. Der ganze Fall war komplett an mir vorbei gegangen. Ich mußte der Tatsache ins Auge sehen: mein Kollege Luby Önsket war diesmal einen Hauch besser gewesen als ich. Und - wie ich befriedigt in Gedanken hinzufügte - auch besser als die Superschnüfflerin WiFabia.


Wie es nun weiterging?


Hinter GitternNun, Miss Honeypenny legte ein volles Geständnis ab und wanderte für lange Zeit ins Gefängnis, wo sie sich in der Kunst des Gitternagens üben konnte.

Aufgrund ihres Geständnisses konnten die Drahtzieher ebenfalls dingfest gemacht werden und auch einige der Freßbuden mußten dicht machen, als sich heraus stellte, daß einige davon ausschließlich zum Zwecke der Übergabe dieses ganz speziellen Maises gegründet worden waren.




















Luby Önsket wurde befördert und erhielt eine große Belohnung.
Er zog sich für eine Weile zurück und genoß die Belohnung.















Und ich? Nun, ich erkannte, daß ich wirklich Zeit benötigte um meine Akkus wieder aufzuladen.
Damit ich beim nächsten Fall wieder die Schnurrbarthaare vorn haben würde.
Und gibt dafür es einen besseren Platz, als die Playa Hamsta?







Und WiFabia?
Nun, in seltener Eintracht hatten wir beide eingestehen müssen, daß Luby uns in diesem Fall klar geschlagen hatte.
Und da wir beide gemeinsam auf der Verliererseite standen, hatten wir keinen Grund mehr, zu streiten.
Wir legten unseren Konkurrenzkampf - vorläufig - ad acta und bei dieser Gelegenheit erkannte ich, welch attraktive Hamsterin sich hinter der Fassade der drögen Schnüfflerin verbarg. Kurzerhand entschloß auch sie sich, daß ihre Akkus eine neue Ladung gut gebrauchen könnten und somit erholten wir uns zu zweit an der Playa Hamsta.




The end




Danksagung: mein besonderer Dank gilt Silke M. und Daniel A., die nicht nur den Bolinen gute Pflegeeltern waren, sondern darüber hinaus auch noch wunderschöne Fotos der Rasselbande geschossen haben und mir zudem gestatteten, diese zu dieser Geschichte zu verarbeiten.


Gefällt Euch die Geschichte?
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Ich freue mich über nette Einträge in meinem Gästebuch!



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