Ernie's Ausbruch

(oder: wie schafft dieser Hamster es eigentlich immer wieder, seine Menschen zu beschäftigen?)



Und Tschuess!Wir haben den 12. August 2004.

Ernie wiegt mittlerweile stolze 126 g. Er hat ein dichtes Teddyfell und beinahe könnte man ihn tatsächlich für einen normalen Teddyhamster halten.
Also zumindest wenn er schläft. Denn sobald er wach ist, sieht man, daß er sich nicht richtig bewegen kann. Er verliert häufig das Gleichgewicht.
Das hält ihn jedoch nicht im mindesten davon ab, mein Leben mit allerhand Action anzureichern. Und daß ihm noch nichts schlimmeres passiert ist, hat nur einen Grund:

Ernie ist wirklich ein Hamster im Glück. Offensichtlich hat er mindestens 9 Leben.

Das erste Mal hat er dem Tod ein Schnippchen geschlagen, als er die schwere Erkrankung überlebte, bei der gleich zwei Tierärzte prognostizierten, er würde sie nicht überleben.

Heute hat er wieder mindetens 2 seiner Leben verbraucht und seinem Schutzengel eine unruhige Nacht beschert.
Ich habe heute morgen festgestellt, daß Ernie verschwunden war. In seinem Käfig war er nicht mehr aufzufinden, allerdings entdeckte ich eine Käfigtür, die mein Freund nicht verschlossen hatte.

In unmittelbarer Nähe des Käfigs war Ernie auch nicht zu sehen. Das wertete ich erstmal sogar als gute Nachricht, denn das bedeutete, daß er sich zumindest bei dem unmittelbaren Sprung oder Sturz aus dem Käfig nicht allzu schlimm verletzt haben konnte.
Das Törchen, durch das er entkommen war, befindet sich nämlich gut 80 cm oberhalb eines Parkettfußbodens, was ja schon eine durchaus gefährliche Sturzhöhe darstellt.

Nachdem ich jedoch nahezu eine Stunde das Wohnzimmer gründlich abgesucht hatte, keimte in mir immer deutlicher der Verdacht, daß Ernie nicht mehr im Wohnzimmer sei.
Die Gefahr in unserem Wohnzimmer ist, daß von dort aus das Treppenhaus direkt zu erreichen ist. Folglich ist ein Sturz in den Keller gar nicht so unwahrscheinlich.
Meinen Freund hatte ich ohnehin schon in den Keller zum Suchen geschickt. Ich hätte es nicht ertragen, meinen Ernie mit gebrochener Wirbelsäule zu finden.
Mittlerweile schwankte ich ohnehin zwischen Hysterie und Panik einerseits und einem Rest an Hoffnung andererseits. Wobei mir klar war, daß kein Hamster dieser Welt einen Sturz in den Keller überstehen konnte. Unterhalb der Treppe war nichts Weiches, auf das der Hamster hätte fallen können. Nur blanker Betonboden.

Ich war schon glücklich, daß Ernie nicht direkt unterhalb der Treppe lag. Er hatte sich also nicht das Genick gebrochen. Aber wo war er? Wie ging es ihm?

Nach einer mir endlos erscheinenden Suche kam plötzlich der Aufschrei meines Freundes „Ich habe ihn, hier ist er!“ „Lebt er noch?“ „Ja.“ Erleichterung. „Wie geht es ihm? Ist er verletzt?“ Letztere Frage schon im Treppenhaus auf dem Weg nach unten zu meinem Kleinen.
„Ich weiß noch nicht.“ Wie – er weiß es noch nicht?
Da sah ich es selber:
Ernie hatte sich in einem Regal, in einer Tüte verkrochen und dort in einen Stapel alter Bettlaken gewühlt.
Wie er in diese Tüte gekommen ist, wird auf immer sein Geheimnis bleiben. Die war nämlich äußerlich unbeschädigt und eigentlich so umgeschlagen, daß sie quasi verschlossen war.
Ernie lag also gemütlich in seinem Bettlaken-Nest und schaute uns angesichts der unwillkommenen Störung recht verdattert an. Er sah so niedlich aus in seinem riesigen Nest!
Vorsichtig haben wir ihn heraus gehoben und untersucht. Ihn dann laufen lassen. Und dann überglücklich beschmust. Ernie scheint wirklich völlig unverletzt zu sein!
Er hat sich hungrig auf die zahlreich dargebotenen Leckerlies gestürzt und einen halben Napf voller Brei „getrunken“, hat sich geputzt und ist dann wieder eingeschlafen.

Wie Ernie in den Keller gekommen ist, wie er dort dann in die Tüte gekommen ist – ich weiß es nicht. Eigentlich ist es ausgeschlossen, daß er die Treppe Stufe für Stufe bezwungen haben könnte. Es ist eine offene Treppe und Ernie schafft es ja nun wirklich nicht mehr als ein paar Schritte zu laufen, ohne umzufallen. Eine gerade Strecke kann er mittlerweile einigermaßen sicher laufen, aber daß er eine Treppe herunterspringt, ohne sich auf jeder Stufe zu überschlagen oder umzufallen, halte ich für völlig ausgeschlossen. Er muß heute Nacht tatsächlich ein komplettes Team an Schutzengeln beschäftigt haben.






Glueckshamster Ernie