Ein offenes Wort zu Liebhaberzucht...
(und damit meine ich verantwortungsvolle kleine private Zuchten und nicht willkürliche Kinderzimmerexperimente!)






Nun, um eines vorweg zu nehmen:
Ich finde, private Zucht hat eine Daseinsberechtigung.

Begründung:

Wenn ich einen Hamster haben möchte, und ich möchte ihn zeitnah und nicht irgendwann innerhalb der nächsten drei Jahre, dann habe ich die folgenden Optionen:
-> Nothamster,
-> privat gezüchteter Hamster oder
-> Zoohandlung (= Großzüchter).

Streicht man aus der Liste die privaten Züchter (die es ja nach Meinung einiger dogmatischer Tierschützer nicht mehr geben sollte) und stellt sich dann vor, es gäbe in einigermaßen erreichbarer Nähe keinen Nothamster 1), was bleibt dann übrig?

1) Natürlich wird es irgendwo in Europa immer einen Nothamster geben, aber von einigen ausreichend hamsterverrückten und finanziell entsprechend ausgestatteten Menschen abgesehen, wird kaum jemand durch die Republik fahren, um einen Nothamster zu retten.


Hinzu kommt, dass Nothamster oft ungeklärter Herkunft sind. Und nicht selten sind Inzuchttiere dabei.

Ein Beispiel dazu:
Als ich einen Hamster suchte (und schließlich Pepe und Pepi fand), da habe ich nahezu alle Tierheime in NRW angemailed/angerufen, zumindest soweit ich die Kontaktdaten hatte.
Es war über mehrere Wochen hinweg kein einziger Hamster in irgendwelchen nahegelegenen Tierheimen.
Ich habe dann Pepe und Pepi gefunden. Da die Mutter der beiden schwanger aus der Tierhandlung kam, sind beide als Notfälle einzuordnen.
Die beiden waren aber zu dieser Zeit die einzigen Notfälle weit und breit.
Bekanntlich sind dann sowohl Pepe als auch seine süße Schwester Pepi bei uns eingezogen.

Und was ist? Pepis Geschichte ist bekannt und auch Pepe hat einen genetischen Defekt!
Was nicht dazu führt, daß ich die beiden einen Deut weniger lieb hätte, aber es ist so, daß beide Genfehler hatten/haben, welche sowohl Mensch als auch Tier haben leiden lassen. Und das hätte man mit einem verantwortungsvoll gezüchteten Hamster von privat nach aller Wahrscheinlichkeit nicht gehabt!
Pepe und Pepi sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Inzuchtkinder.
Pepi ist mittlerweile trotz immensem medizinischen Aufwand viel zu jung verstorben und es ist leider nicht damit zu rechnen, daß Pepe steinalt werden wird.

Um die Geschichte rund zu machen:
Man stelle sich vor, Pepe und Pepi wären nicht als Notfälle „vorhanden“ gewesen, private Züchter hätte es nicht gegeben und nach über einem Monat Suche hätte ich nicht mehr länger warten, sondern zeitnah einen Hamster haben wollen.
Was wäre wohl passiert? Richtig! Ich wäre in die Zoohandlung gegangen und hätte somit die Großzüchter unterstützt.

Wenn aber nun der Hamsterbedarf durch private Züchter gedeckt werden könnte, dann wird die Nachfrage bei den Großzüchtern zurück gehen. Wenn sich die potentiellen Hamsterkäufer direkt an einen privaten Züchter wenden, ist die Nachfrage nach Tierhandlungshamstern von Großzüchtern nicht mehr in dem Maße wie heute gegeben. Auch kann der beim privaten Züchter gekaufte Hamster besser begleitet werden. Der Liebhaberzüchter klärt im Vorfeld über artgerechte Haltung auf und steht nach der Vermittlung für Rückfragen zur Verfügung.
Ganz abschaffen kann man Großzüchter nicht. Aber private, verantwortungsvolle Züchter können durch Aufklärung und verantwortungsvolle Vermittlung mithelfen, daß keine Nothamster mehr produziert werden.

Das Argument, solange es irgendwo in Deutschland/ in Europa/ auf der Welt noch Hamster in Tierheimen gibt, sei es unmoralisch ein Tier vom Züchter zu nehmen, greift somit nicht. Der private Züchter erfüllt – wie oben erläutert – einen anderen Zweck.

Hinzu kommt noch der Aspekt des Schutzes des Genpools.
Bislang haben wir hier über tierschutzrechtliche Aspekte gesprochen.
Kommen wir zum Hamsterschutz. Das ist eine gegensätzliche Herangehensweise.
Was ist für die Tierart "Hamster" das beste?
Dazu muß ich wohl nicht viel sagen. Willkürlich zusammen gewürfelte Hamster ungeklärter Herkunft oder verantwortungsvoll mit einem Mindestmaß an genetischem Wissen planmäßig zusammengeführte Hamster um bestimmte Merkmale herauszubilden?
Tierschutz in allen Ehren, aber für die Tierart Hamster sind private Liebhaberzüchter wichtig.

Und wenn man sich nun darauf einigt, dass meine Argumente vielleicht den Tierschützer an sich nicht völlig überzeugen, aber zumindest auch nicht völlig von der Hand zu weisen sind, dann kommen wir zu dem Punkt, an dem der privaten Liebhabereizucht eine gewisse Daseinsberechtigung zugesprochen werden muß.
An diesem Punkt ist es dann aber völlig unlogisch, zu sagen, ja, private Liebhaberzuchten sind in Ordnung. Aber bitte versteckt Euch damit und schämt Euch dafür!
Konsequenterweise haben beide "Arten"  - also Nothamster und Zuchthamster - dann nämlich nicht nur eine im wesentlichen gleichwertige Daseinsberechtigung, sondern auch den Anspruch, gleichwertig beachtet – oder zumindest nicht mißachtet - zu werden.

Zudem hat Zwang den Menschen noch nie gut getan hat.
Einen Nothamster aufzunehmen als Ergebnis der freien Willensbildung, ist eine feine Sache.
Dem potentiellen Hamsterfreund einen Nothamster aufzudrängen, weil alles andere moralisch verwerflich sei oder der Hamsterfreund gar keine andere Auswahlmöglichkeit hat (weil die Privatzuchten irgendwo versteckt werden), ist in meinen Augen der unglücklichste Weg für einen überzeugenden Tierschutz.


P.S. Um Mißverständnissen vorzubeugen: 4 meiner 5 Hamster sind "Notfalltiere" und ich werde auch weiterhin immer offen für Notfallhamster sein, wenn ein neuer Hamster bei mir einziehen soll. Ich finde nur das eine ebenso wichtig und ebenso in Ordnung wie das andere.

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